Politsatire in Fastenzeiten: Abu Haki – Vater der Wahrheit

Aus der Reihe medientransfer heute:

Abu Haki (auch Abu Haqi, arab.: ابو حقي) -Vater der Wahrheit

Unter diesem Titel wurden bereits 2008 in der Fastenzeit Ramadan 30 Folgen der Serie auf Al-Sharqiya-TV im Irak gezeigt. Die beliebtestete  Fernsehstation des Landes erreicht die Menschen auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Und das zur besten Sendezeit: Traditionell finden sich alle Familien zum Iftar (إفطار),  dem gemeinsamen Fastenbrechen, abends vor den Bildschirmen wieder.

Wer ist Abu Haki?

Abu Haki  ist ein gieriger und machtbesessener irakischer Politiker, der aufgrund seiner abenteuerlichen Regierungsstrategien immer wieder in unangenehme Situationen und Erklärungsnot gerät. Dargestellt wird er durch den irakischen Filmstar Jawad Al Schekertschie, der im gesamten arabischen Raum großes Ansehen genießt und bereits in zahlreichen Produktionen mitgewirkt hat.

Abu Haki greift die politischen und gesellschaftlichen Realitäten im neuen Irak auf. Er mauschelt, stiehlt, erpresst, ergaunert und bedroht seine Gegner. Ungeschickt präsentiert er sich den Medien, strauchelt bei journalistischen Fragen. Doch alles hat stets den Anschein westlicher Moderne- insbesondere die zahlreichen universitären Würden, die sich der Vater der Wahrheit im Laufe der Serie erkauft.

Die Anspielungen richten sich gegen die durch den Westen implementierte neue irakische Demokratie, die willkürliche Verteilung der Ministerposten, das heruntergekommene Bildungswesen oder die Situation in irakischen Gefängnissen. Soviel Kritik frei äußern zu können ist ein Novum: Abu Haki ist die erste politisch-kritische Serie, die im Irak nach dem Saddam-Regime über den Bildschirm flimmerte. Sie bricht Tabus für die gesamte Region.

Ein Stück Herz

Jawad Al-Schekertschie setzt sich mit seiner Frau Ateka Al-Schekertschie (bekannt als Ateka Chatib) seit Jahren für die Interessen seines Landes und seiner Mitmenschen ein. Derzeit leben und arbeiten beide als Produzenten in Syrien. Von dort aus verweisen sie stets in Interviews auf die kleinen wie großen menschlichen Katastrophen, die sich aus der amerikanischen Besatzung ergeben haben: In Syrien beispielsweise haben hunderttausende Flüchtlinge Zuflucht gefunden und kämpfen jetzt  perspektivlos gegen bittere Armut, Prostitution und Drogensucht. Dieses Phänomen findet man in vielen der umliegenden Ländern der Kriegsregion wieder und wird bis dato auch vom Westen weitesgehend totgeschwiegen.

Spezieller Dank der Redaktion richtet sich an Frau Dalia Abid, die hier eine umfangreiche Recherche zum Thema eingebracht hat und derzeit  mit Jawad Al-Schekertschie an einem Medienprojekt  arbeitet- Alf Shukran!!!- Tausend Dank!!!

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