Das Glück dieser Erde: Arabische Pferde – Vermittler zwischen Orient und Okzident

kultur-transfer stellt Persönlichkeiten, Institutionen und Organisationen vor, die im interkulterellen Bereich aktiv sind – Heute im Interview: Hubert Lorenz, Geschäftsführer des Deutschen Rennverbandes für Arabische Vollblüter e.V. DRAV’s und des DRAV Business Clubs

kultur-transfer: Herr Lorenz, erzählen Sie uns doch etwas über ihre eigene Geschichte: Wie wird man Vorsitzender des DRAVs?

Hubert Lorenz: Nun, zu allererst muß man dafür wohl die Liebe zum Arabischen Pferd und das Interesse zum Rennsport mitbringen. Arabische Pferde stammen ja, wie der Name schon sagt, von der Arabischen Halbinsel und dem Vorderen Orient. Sie wurden von den Beduinen früher als Kriegspferde verwendet und haben – weil hochgeschätzt – mit Ihnen im Zelt gelebt. Daher sind sie sehr dem Menschen zugetan. Außerdem gelten sie als die schönste Pferderasse und wurden jahrhundertelang zur Verbesserung der europäischen Pferderassen eingesetzt. Auch mich hat der Charakter dieser Pferde fasziniert, daneben aber auch deren Leistungsfähigkeit, die es zu erhalten gilt. Ein Mittel dazu ist der Rennsport.

Ich hatte bereits 1989 meine erste Araberstute gekauft und bis heute 12 Fohlen gezüchtet. 1993 bin ich aus oben genanntem Grund Mitglied des DRAVs, des Deutschen Rennverbands für Arabische Vollblüter, geworden. Ein Jahr später wurde ich in den Vorstand gewählt, 1995 zum Geschäftsführer ernannt. Diese Position habe ich mit einer kleinen Unterbrechung bis heute inne. Parallel dazu war ich auch 10 Jahre lang bis Jan. 2009 General Secretary der IFAHR, der International Federation of Arab Horse Racing. Man muß aber dazu sagen, daß beide Positionen immer ehrenamtlich waren. Das heißt, dies alles läuft neben einem Hauptberuf und man investiert doch sehr viel Freizeit in dieses „Hobby“.

KT: Seit wann gibt es den Verein, wer sind die Mitglieder, was für Veranstaltungen werden von Ihnen ausgetragen?

HL: Während der Rennsport für Englische Vollblüter in Deutschland bereits seit Anfang des 19.Jahrhundert existiert, wurde der Verläufer des DRAVs erst in den 1970er Jahren von ein paar rennbegeisterten Züchtern gegründet. Daraus hat sich dann der DRAV in seiner heutigen Funktion entwickelt. Unsere Mitglieder sind zum einen Züchter, die die Rennen als eine Leistungsprüfung für ihre Pferde erachten, zum anderen aber auch Rennsportfreunde, die sich der Faszination der Rennen verschrieben haben und dem besonderen Charme des Arabischen Pferdes erlegen sind. Die Aufgabe des Vereins besteht nun in erster Linie in der Durchführung von Rennen für Arabische Vollblüter. Diese sind in Deutschland aber vom Direktorium für Vollblutzucht- und Rennen für Englische Vollblüter geregelt, und diesen Regeln müssen auch wir folgen. Da auf Rennen gewettet wird, unterliegt alles einer strikten staatlichen Kontrolle, was gleichzeitig auch einen hohen Anspruch an Organisation und Durchführung stellt.

KT: Erzählen Sie uns ein wenig über den  DRAV Business-Club.

HL: Diese Rennen, die wir veranstalten, kosten Geld und brauchen daher Sponsoren. Und so liegt es natürlich nahe, Geschäftsleute für diese Rennveranstaltungen zu gewinnen, die sich auf der Rennbahn einem breiten Publikum präsentieren können. Einige unserer Vorstandsmitglieder haben gute Kontakte sowohl in der Pferdewelt als auch in die internationalen Geschäftswelt, welche für unseren Sport sehr wichtig sind. Über die Jahre konnte ich insbesondere sehr wichtige Verbindungen in die arabischen Länder aufbauen, denn die Scheichs stehen dem Rennsport mit Vollblutarabern besonders offen gegenüber, da es sich ja um „ihre“ Pferderasse handelt, um ihr Kulturgut.

Mit dem DRAV Business Club wollen wir nun beides zusammenbringen – die einheimische Wirtschaft mit unseren Kontakten in den Orient. Die Platform dazu bieten die Rennbahnen, wo in angenehmer Atmosphäre auch geschäftliche Kontakte geknüpft werden können. Wir haben dazu das Motto geprägt: Sports meets business!

KT: Welches sind die Aussichten für 2010 – welche Events bringen Sie ins Rollen?

HL: Die Wirtschaftskrise ging weder an uns noch an unseren orientalischen Geldgebern spurlos vorüber, und so können wir leider dieses Jahr kein Geld aus Qatar erwarten. Dennoch haben wir einige wichtige Rennen in Hamburg, Köln, und Frankfurt geplant, gesponsort von Dubai. Daneben wird es natürlich auch kleinere Rennen auf lokalen Bahnen geben. Leider wird aber ein Highlight ausfallen müssen: Wir hatten schon den Sponsor für ein Rennen während des Frühjahrsmeetings in Baden-Baden Iffezheim, als uns nun mitgeteilt wurde, daß aufgrund der Insolvenz der Rennbahn und Neustrukturierung des Internationalen Clubs diese Renntage ausfallen werden.

KT: Was für Kooperationen sind geplant ? Wer wird dieses Jahr bei Ihnen Ehrengast?

HL: Wie gesagt haben wir von Dubai die Zusage für verschiedene Rennen, ob jeweils ein Ehrengast aus dem Orient mit dabei sein wird, entscheidet sich leider immer sehr kurzfristig. Da wir aber auch eine sehr gute Vernetzung mit den Botschaften haben, können wir auch mit Gästen aus dem diplomatischen Bereich rechnen.

KT: Zu Ihrer Rolle als interkultureller Botschafter – was sind Ihre Ziele? Sind Pferde ein Schlüssel zum Herzen der Menschen in der MENA-Region ?

HL: Insbesondere das Arabische Pferd wird weltweit gezüchtet und so findet man leicht Ansprechpartner, wo immer man hinreist. Daraus entwickeln sich auch sehr oft Freundschaften. Besonders in arabischen Ländern, wo man auf diese Pferde als Teil des Kulturgutes besonders stolz ist, öffnen sich einem Türen, die einem Touristen verschlossen bleiben. Persönlich habe ich durch die Pferde einen tiefen Einblick in die Kultur und Lebensart der Araber erfahren können, und ich denke, man kann das Arabische Pferd zweiffellos als Vermittler zwischen Orient und Okzident betrachten. In Sachen „Araber-Rennsport“ habe ich mittlerweile viele arabischen Länder bereist, sei es Qatar, Oman, Kuwait, die Emirate, Syrien, oder die nordafrikanischen Länder wie Tunesien, Algerien und Marokko.

KT: Worauf legen Ihre arabischen Besucher besonderen Wert, was schätzen sie an der Kooperation mit Ihnen?

HL: Ich denke, unsere Partner schätzen – abgesehen natürlich von der Liebe zum Arabischen Pferd und dem Rennsport – insbesondere die Zuverlässigkeit, Gründlichkeit und Professionalität, die wir hier in Deutschland an den Tag legen. Außerdem kommen die Scheichs gerne im Sommer nach Deutschland, weil es dann in ihren Ländern oftmals unerträglich heiß und schwül ist, und sie hier die sehr moderaten Temperaturen genießen können. Und obwohl Deutschland eine Industrienation ist, haben wir doch eine eindrucksvolle, grüne Natur, wie es sie in den Ländern der Arabischen Halbinsel nicht gibt. Leider sind unsere Araberrennen in der Bevölkerung hier noch nicht so richtig anerkannt. Hier helfen uns die Araber natürlich durch ihre Unterstützung sehr – gleichzeitig rückt an solch einem Renntag dann auch immer das Land des Sponsors in den Mittelpunkt, womit der Tourismus in diesen Gegenden bekannt gemacht werden soll.

KT: Die Zusammenarbeit mit der NUMOV – wie gestaltet sich diese?

HL: Derzeit beschränkt sich unsere Zusammenarbeit auf eine Mitgliedschaft auf Gegenseitigkeit. Die NUMOV ist dennoch eine wichtige Organisation für uns, die Kontakte in die arabische Welt hat; wir leisten uns gegenseitig Hilfe in speziellen Projekten und das ganze läuft auf einer sehr freundschaftlichen Basis.

KT: Politik , Wirtschaft und globale Entwicklungen – wo und wie positioniert sich der DRAV in dieser Zeit?

HL: Wir wollen hier nichts überbewerten. Der Rennsport mit Arabischen Vollblütern ist nur ein ganz kleiner Teil der großen weiten Welt des Pferdesports insgesamt. Aber man darf nicht vergessen, daß das Arabische Vollblut ein globale Rasse ist, die mittlerweile in über 50 Ländern der Welt gezüchtet wird, und Deutschland gilt als eine der Keimzellen der europäischen Araberzucht, denn hier wurde die älteste Stutenlinie mit lückenlosem Stammbaum in der Araberzucht etabliert. Diese Pferde können Sie noch heute im Haupt- und Landgestüt Marbach sehen! Von Deutschland aus wurden auch zahlreiche Pferde wieder nach Arabien exportiert und wir sind in der Araberzucht eines der bedeutendsten Länder. Im Araberrennsport haben wir da noch ein wenig Nachholbedarf.

KT: Erzählen Sie uns doch etwas vom Pferd: welches ist Ihr Lieblingspferd, und was macht für Sie ein gutes Pferd aus?

HL: Meine Lieblingspferd war meine zweite Stute Nagrada, die ich 1993 direkt aus dem russischen Staatsgestüt Tersk im russischen Teil des Kaukasus importiert habe. Sie war eine ausgezeichnete Zuchtstute, die mir 6 Fohlen geschenkt hat. Leider starb sie 2002 durch einen Unfall. Sie verkörperte, was ich am Arabischen Pferd so schätze: Schönheit mit Leistungswillen. Mein derzeitiges Rennpferd, UAE Dynamic, ist derzeit noch im Winterquartier und wird erst jetzt wieder antrainiert. Aber ich bin jetzt schon gespannt, ob sie ihre Form vom Vorjahr halten oder vielleicht sogar verbessern kann. Sie hatte letztes Jahr ein wichtige Zuchtschau für Rennpferde gewonnen und erfüllt somit den ersten Punkt; nun muß sie den zweiten unter Beweis stellen.

KT: Ihre liebste Alltagsgeschichte aus der Region / aus der interkulturellen Zusammenarbeit?

HL: Ich erinnere mich noch gerne an die Jugend-Europameisterschaft der Distanzreiter 1998 in Donaueschingen, an denen auch die Al Maktoums teilnahmen. Mein Freund Faisal bat mich, kurz mitzukommen, und führte mich zum Zelt, wo Sh. Mohammed bin Rashid Al Maktoum mit seinen Söhnen saß und stellte mich Seiner Hoheit ganz ungezwungen vor. Eine andere Begebenheit war in Paris, wo wir uns anläßlich einer internationalen Konferenz im Hotel trafen. Ich kam gerade an und sah in der Lobby einige meiner Bekannten, unter ihnen Amid Abdelhamid der Generaldirektor des Königl. Gestüts aus Marokko, der mich seinen Freunden mit den Worten vorstellte: „Hier kommt ‚Lorenz von Arabien’, der Freund der Araber“ – das hat mich sehr berührt.

Ich darf sagen, daß ich in den Arabischen Ländern einige persönliche Freunde habe, und ich habe Einblicke in ihre Kultur erhalten, die mir als Tourist in diesen Ländern nicht möglich gewesen wären. Immer und immer wieder hat das Arabische Pferd Türen geöffnet, die einem „Normalsterblichen“ vielleicht verschlossen bleiben würden. Es hat zweifellos zur Völkerverständigung – und sei es auch nur in kleinem Rahmen – beigetragen. Aber große Dinge fangen ja alle einmal klein an…

KT: Herr Lorenz, vielen Dank für dieses aufschlußreiche Interview!

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